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"Jetzt sei doch mal still!" - Meine Erfahrungen mit Meditation


Heute morgen war es soweit: Insight Timer zeigte mir die 100 an. 100 Tage in Folge habe ich jetzt meditiert. Das sind nicht meine ersten Versuche mit Meditation. So richtig regelmäßig versuche ich mich inzwischen seit zwei Jahren daran.




Meine ersten Erfahrungen mit Meditation bzw. meine Erleuchtung


Ich erinnere mich noch, als ich in der sechsten Klasse im Religionsunterricht an einer angeleiteten Meditation teilgenommen habe. An dem Tag hat es mir genau gar nichts gebracht, aber ein Mitschüler (der sonst immer der Klassenclown war) war total geflasht ... und ausgeglichen. Meine Neugier war geweckt!


Abends im Bett bin ich wieder und wieder diese Meditation durchgegangen, in der Hoffnung, irgendwann genauso geflasht sein zu können. Mit Erfolg!


Ich möchte es jetzt nicht wirklich Erleuchtung nennen, aber es fühlte sich wahnsinnig schön an. Ich fühlte mich leicht, als würde ich schweben. Auf einer ganz anderen Bewusstseinsebene. Diese Erfahrung habe ich mit zwölf Jahren gemacht. Seitdem weiß ich: Es ist möglich! Und seitdem wünsche ich mir, diese Erfahrung nocheinmal machen zu dürfen.


Dann habe ich aufgegeben - und einen neuen Ansatz gefunden


Vermutlich hat mich dieser Wunsch lange blockiert. So oft habe ich irgendwo mit geschlossenen Augen rumgelegen, geatmet und bin dieselbe Geschichte wieder und wieder durchgegangen, immer darauf wartend, dass was passiert. Und wer mich kennt, weiß, dass ich im Warten und Wiederholen nicht besonders begabt bin ;) Deswegen habe ich auch immer wieder aufgegeben.


Vor zwei Jahren war ich dann in Portugal auf meinem lebensverändernden Yoga-Retreat (dazu findest du hier einen Podcast, in dem ich davon erzähle) und war eingeladen, an verschiedenen Meditationen teilzunehmen. Ich hatte mal so gar keine Lust, wusste ich doch durch die vielen erfolglosen Versuche, dass ich nicht unbedingt der Typ für Meditation war. Naja, darauf einlassen konnte ich mich ja mal! Und wenn es nur für das schlussendliche "Siehste!" wäre, dass es wieder nicht geklappt hat.

Wir meditierten in Stille und im Sitzen - und meine Vermutung ist, dass es ein inneres "damit du Ruhe gibst" war - denn da war es wieder, das Gefühl, nach dem ich so lange gesucht hatte! Der Auslöser, wieder mit dem Meditieren anzufangen und es bis heute durchzuhalten.


Choose your meditation method - immer wieder neu!


Beim Retreat hatte ich meine erste wichtige Erkenntnis: Es hat nichts mit der spezifischen Meditationsweise zu tun, dass du dich leicht oder erleuchtet fühlst. Du kannst in Stille meditieren, angeleitet oder mit Musik. Du kannst liegen, sitzen oder gehen - oder tanzen. Oder laut schreien. Erlaubt ist, was dir gut tut.



Und es kann sein, dass das morgen etwas anderes ist als heute. Ich zum Beispiel meditiere super gerne in Stille. Aber wenn ich zu einem bestimmten Thema meditiere, dann genieße ich es auch total, angeleitet zu werden. Außerdem sitze ich am liebsten. Aber selbst dafür habe ich Meditationskissen und Meditationsbänkchen (über die Ausrüstung habe ich schon mal einen Artikel geschrieben, den du hier findest). Aber manchmal liege ich immer noch gerne - z.B. morgens oder abends im Bett und ganz manchmal gehe ich auch gerne spazieren. Du siehst: Kein Tag ist gleich, nicht immer brauchst du das gleiche. Mein Tipp ist, dich auszuprobieren, viele Eindrücke zu sammeln und ein Gefühl dafür zu bekommen, was es gibt. Dann kannst du immer wieder auf deinen Werkzeugkasten zurückgreifen.


Das Problem mit den Gedanken


Meine größte Herausforderung war, an nichts zu denken. Ich habe einen Meditationskurs besucht, in der Hoffnung, es da lernen zu können. Was ich dort lernte, war umso wertvoller: Akzeptanz. Gedanken sind immer da und das ist ok. Die Kunst ist es, ihnen nicht nachzugehen, an ihnen hängen zu bleiben, sondern sie ziehen zu lassen. Oft wird die Metapher "wie Wolken am Himmel" genutzt, mit der ich lange gar nichts anfangen konnte. Für mich haben zwei Analogien sehr gut funktioniert:

  • Die Sortiermaschine: Stelle dir vor, du arbeitest an einem Band, an dem Kirschen (deine Gedanken) vorbei ziehen. Du bist dafür zuständig, diese Kirschen zu sortieren. Aber nicht nach Qualität oder Größe, sondern nach Belieben. Du kannst sie ganz einfach vorbei ziehen lassen oder du wählst dir eine aus, die du dir genauer ansehen möchtest.

  • Die Gedankenautobahn: Stelle dir vor, du sitzt an einer Straße. Autos ziehen vorbei. Diese Autos sind deine Gedanken. Entweder rennst du ihnen hinterher oder entscheidest beispielsweise, dich in einen Bus zu setzen. Oder du schaust einfach weiter zu. Du hast die Wahl!

Was mir dabei ganz wichtig ist zu sagen: Alles darf sein. Du darfst auch einem Gedanken nachhängen. Oder erst später feststellen "ups, hierhin wollte ich doch gar nicht mitfahren" und dann aussteigen.


Und ich bin ehrlich: Das alles ist leichter gesagt als umgesetzt, zumindest ist das bei mir so. Ich folge immer noch Gedanken anstatt zu beobachten und ich rege mich auch immer noch darüber auf. Also mach' dir nichts daraus, wenn es mal (oder quasi immer) nicht klappt.


Thema Regelmäßigkeit


Mir hat es total geholfen, täglich zu meditieren. Ich plane meine Meditation direkt in meine Morgenroutine ein, was aus meiner Sicht mehrere Vorteile hat:

  • Ich habe noch nicht so viel nachgedacht und kriege meine Gedanken so leichter beruhigt

  • Meine Routine ist meine Routine. Ich habe die Zeit fest in meinem Kalender eingeplant und es gibt nichts, was als Ausrede dienen könnte

  • Ich starte viel strukturierter und ruhiger in den Tag, nehme alles um mich herum bewusster wahr.

  • Wenn ich meditiere, schläft der Haushalt noch und auch draußen ist kaum was los. Ich habe also auch nicht so viele Störgeräusche oder Bewegung, um mich herum, die mich ablenken könnten.



Meine Empfehlungen


Für die Meditation in mehr oder weniger Stille nutze ich total gerne die App Insight Timer (persönliche Vorliebe, keine bezahlte Werbung). Ich stelle mir einen Timer auf 11 Minuten (keine Ahnung, warum, das hat sich so eingependelt), wähle einen schönen Start- und Endton aus - manchmal auch einen Hintergrundsound, deswegen "mehr oder weniger Stille" - und kann vertrauensvoll die Augen schließen und geschlossen halten, weil ich nach Ablauf des Timers wieder zurück geholt werde. Ansonsten gibt's natürlich auch Apps mit angeleiteten Meditationen. Suche da einfach mal ein bisschen rum.


Wie schon gesagt, liebe ich die Meditation in Stille. Du musst dabei aber nicht nur rumsitzen und an nichts denken. Du kannst dich z.B. auch auf deinen Atem konzentrieren oder deinen Atem zählen. Das hilft mir, wenn ich etwas aufgekratzter bin, bei der Sache zu bleiben.


Ich zähle aktuell gerne so:

  • Einatmen ... Ausatmen ... 1 - Einatmen ... Ausatmen ... 2 (10x)

  • Einatmen ... 1 ... Ausatmen ... 2 (10x)

immer im Wechsel, bis die Zeit rum ist.



Das ganze kannst du auch super mit der Wechselatmung verbinden. Hierzu habe ich hier schon mal ein Youtube-Video gemacht. Oder du nutzt Mantren oder Worte für die Ein- und Ausatmung. Ich liebe Sat Nam und So Ham.


Meine letzte Empfehlung: Besuche doch mal einen Meditationskurs! Ich habe meinen damals bei Katharina Thürer gemacht (persönliche Meinung, keine bezahlte Werbung) und er hat mir sehr gut getaugt. Trotzdem: Höre in dich rein, was du brauchst, das darf auch ganz was anderes sein.


Let's meditate!


So, ich setze mich dann zur Feier von Tag 100 nochmal auf mein Meditationskissen - vielleicht gesellst du dich ja gleich dazu! Wenn du schon Erfahrungen mit Meditation hast oder meinen Beitrag als Anlass nimmst es auszuprobieren, lass' mich gerne wissen, was für dich gut und was vielleicht weniger gut funktioniert hat.

Ich bin gespannt auf deine Eindrücke!


Namasté :)



PS: Ich hoffe, ich konnte dich ein bisschen zur Meditation motivieren. Die Erleuchtung habe ich lange nicht jedes Mal (im Sinne von fast nie), aber das hält mich inzwischen nicht mehr ab, weil ich weiß, wie gut mir Meditation tut. Der Vollständigkeit halber sei das aber erwähnt. Schließlich möchte ich nicht, dass du nach dem ersten Versuch enttäuscht aufhörst ;)



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